Als ich lernte, mich selbst zu sehen


Wut, Anpassung und die Suche nach Sinn
Ich war oft wütend. Auf mich, auf die Welt – und ich fragte mich, was das Ganze soll. Welchen Sinn hat es überhaupt, zu leben? Ich war nicht bereit zu akzeptieren, dass ich etwas verändern kann. Ich glaubte nicht daran. Mein Leben wurde immer von anderen bestimmt, und ich ging einfach mit. Das war das Einzige, was ich gut konnte. Ich hängte mich immer an jemanden an, passte mich seiner oder ihrer Lebensweise an und wurde ein Teil davon. Es machte mich nicht glücklich, aber es erschien mir leichter als alles andere. Denn: Was sollte mein Leben sonst wert sein, wenn nicht dafür, anderen zu dienen? Ich sah meinen eigenen Wert nicht. Rückblickend ist das sehr traurig.

Als mein Leben mir die Luft nahm
Erst als ich bemerkte, dass mein Leben in eine Richtung lief, die mir die Luft zum Atmen nahm, habe ich mich zum ersten Mal dagegen aufgelehnt. Mein damaliger Ehemann war sehr herrisch. Dinge, die ich nicht so schnell erledigte, wie er es wollte, wurden zur Grundlage ständiger Kritik. In der Zeit mit ihm verlor ich alle alten Kontakte und nahm in sechs Monaten 20 Kilogramm zu. Ich wurde finanziell von ihm abhängig und sah lange keinen Ausweg. Damals war ich noch jung – 23 Jahre alt. Als ich dann zu arbeiten begann und nicht mehr ständig zu Hause war, begann sich alles zu verändern. Ich fand in der Arbeit eine Freundin, die mich stärkte und mir half, Nein zu sagen – zu ihm und zur Situation. Ich trennte mich von ihm.

Die erste Entscheidung – und der Beginn von Veränderung
Obwohl das nicht leicht war, war es meine beste Entscheidung. Von diesem Zeitpunkt an begann ich, alles zu hinterfragen und Schritt für Schritt aus meinem Leben zu entlassen, was nicht (mehr) zu mir passte. Das bedeutete: mein gesamtes Weltbild Stück für Stück auseinanderzunehmen und immer wieder neu zusammenzusetzen. Diese Erfahrung war schmerzhaft – und gleichzeitig begann sich meine Welt zu dehnen und neue Möglichkeiten zu eröffnen.

Hinsehen. Hinfühlen. Verändern.
Über die Jahre hinweg wurde mir langsam klar: Nur wenn ich hinschaue und hinfühle, kann ich Dinge auch verändern.

Mein Fazit
Ich weiß heute: Es geht im Leben nicht darum, etwas oder jemandem gerecht zu werden – sondern darum, sich selbst in die Welt zu bringen.

Fragen an Sie
Wo schauen Sie aktuell weg oder wollen die Lage nicht wahrnehmen? Wo versuchen Sie, Ihr Leben schönzureden? Welche Gefühle vermeiden Sie zu fühlen?
*Alle Beiträge spiegeln ausdrücklich meine persönliche Erfahrung, Erkenntnisse und Meinung wider
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